16.12.2018
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Veränderungen an den Augen

Im vorderen Augenabschnitt, d.h. im Bereich der Horn- und Bindehaut, besteht nach einer allogenen Stammzelltransplantation oft eine ausgeprägte Trockenheit (Sicca-Symptomatik). Diese geht meist einher mit einem generalisierten „Trockenheits-Syndrom“. Dazu kann es insbesondere bei bestehender cGvHD kommen. Betroffen sind die Haut und die Schleimhäute, z.B. im Bereich der Mundhöhle und der Scheide.

Die Tränenproduktion ist gemindert. Horn- und Bindehaut können gereizt und entzündet sein, ohne dass dies durch Bakterien oder Viren verursacht wäre. An der Hornhaut kann es zu Defekten oder sogar Geschwüren kommen. Beschwerden eines „trockenen Auges“ bestehen 15 Jahre nach der allogenen Stammzelltransplantation bei ca. 20 % der Transplantierten. Falls eine cGvHD besteht, ist dies sogar bei 40 % der Patienten der Fall. Im Rahmen der Therapie wird zum einen die cGvHD konsequent behandelt und zum anderen werden benetzende Augentropfen eingesetzt. [In diesem Zusammenhang ist wichtig zu wissen, dass benetzende Augentropfen zwar nicht-verschreibungspflichtig und damit grundsätzlich keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung sind. Es gibt jedoch eine Liste mit Sachverhalten, die eine Kostenübernahme ausnahmsweise rechtfertigen. Dazu gehört u.a. die „Schädigung der Tränendrüse“ (vgl. sog. „OTC-Übersicht“, Abschnitt F 16.4.36 der Arzneimittelrichtlinien; abrufbar im Internet unter www.g-ba.de („Informations-Archiv“, „Richtlinien“, „Arzneimittel-Richtlinien“, „Anlagen“, „OTC-Übersicht“ anklicken). Cortisonhaltige Augen tropfen oder Cremes können helfen, sind aber mit Infektionsrisiken behaftet. Weitere Therapiemöglichkeiten sind der Einsatz von Ciclosporin als Augentropfen oder das Verschließen des Tränenkanals, über den im Normalfall die Tränenflüssigkeit abfließt. Der Einsatz von Kontaktlinsen

ist problematisch; es gibt jedoch weiche Kontaktlinsen, die die Befeuchtung der Hornhaut fördern. Solche Behandlungsverfahren gehören in die Hand des Experten.

Linsentrübungen (Grauer Star, Katarakt) gehören zu den häufigsten Folgen einer Ganzkörperbestrahlung. Falls im Rahmen der Konditionierung ganz auf eine Bestrahlung verzichtet wurde, ist das Risiko, dass sich innerhalb von 10 Jahren ein grauer Star entwickelt, kleiner als 10%. Das Alter und eine längerfristige Cortison-Therapie sind weitere Risikofaktoren für die Entwicklung einer Linsentrübung. Die Behandlung besteht in einem kleinen chirurgischen Eingriff mit Ersatz der getrübten Linse durch eine Kunststofflinse.

Zunehmend wird die Bedeutung von Durchblutungsstörungen der kleinen Netzhaut-Gefäße erkannt. Die medizinische Bezeichnung dafür ist „ischämische, mikrovaskuläre Retinopathie“. Bei der Spiegelung des Augenhintergrundes fallen so genannte „cotton wool spots“ und ein Ödem (Schwellung) der Austrittsstelle des Sehnerven auf. Durchblutungsstörungen der Netzhaut bilden sich meist zurück, wenn die immunsuppressiven Medikamente reduziert bzw. abgesetzt werden.

Andere Erkrankungen des Augenhintergrundes nach einer allogenen Stammzelltransplantation sind Blutungen und Infektionen (Herpes simplex, Cytomegalie, Toxoplasmose und Pilzerkrankungen).


Empfehlungen:

Einige Experten empfehlen eine routinemäßige Augenuntersuchung nach 6 Monaten, 12 Monaten und danach jährlich für alle allogen Stammzelltransplantierten. Dabei sollten die Sehschärfe bestimmt und der Augenhintergrund untersucht werden. Bei Patienten mit einer Trockenheit der Augen sollte ein Schirmer-Test (Test zur Erfassung des Ausmaßes der Augentrockenheit) durchgeführt werden. Die Patienten sollten über Risiko und Bedeutung eines trockenen Auges sowie einer Linsentrübung aufgeklärt werden.

Die Festlegung der weiteren Nachsorgeintervalle sollte individuell in Abhängigkeit von den vorliegenden Augenproblemen erfolgen.

Außerhalb der Routine-Kontrollen sollte auch immer bei akuten Beschwerden eine augenärztliche Untersuchung erfolgen.



Vielen Dank für die Bearbeitung an
Dr. med. Dipl. Psych. Andreas Mumm
Klinik für Tumorbiologie - Freiburg



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