13.12.2018
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Erfahrungsbericht eines Stammzellspenders


von Carsten Sökeland (13. September 2003)


Erfahrungsbericht über eine Stammzellenspende

Carsten Sökeland
Carsten Sökeland

Fast jeder von uns hat sicherlich schon einmal von jemandem gehört, der an Leukämie oder an einer ähnlich schweren Krankheit leidet, die häufig zum Tod führt. Egal, ob es sich um direkte Verwandte oder um Bekannte handelt oder vielleicht nur um Personen, die man gar nicht kennt - viele hoffen sicherlich, dass diesen Menschen in irgend einer Form geholfen werden kann. Doch wer denkt schon daran, dass man eventuell selber helfen kann?

Für mich kam das "Aha-Erlebnis" etwa Ende der ´90er. Ein Junge aus einer Essener Gemeinde war an Leukämie erkrankt. In den Gemeinden des Bistums wurde dazu aufgerufen, sich typisieren zu lassen. Was war denn das nun schon wieder? Ganz einfach - durch eine kleine Blutprobe (etwa 10 ml) wurden bestimmte Blutmerkmale bestimmt und in einer zentralen Datenbank erfasst. Auf diese Datenbank kann weltweit zugegriffen werden. Diese Blutmerkmale haben übrigens nichts mit der Blutgruppe oder dem Rhesusfaktor zu tun.

Also ließ ich mich typisieren. Irgendwann bekam ich auch das Ergebnis mitgeteilt. Ansonsten tat sich erst einmal nichts.

Im Sommer 2001 erhielt ich von der Knochenmarkspenderzentrale in Essen die Mitteilung, dass ich eventuell als Spender für eine Patientin in Frage käme. Zur entgültigen Abklärung wurden zwei weitere Blutuntersuchungen vorgenommen. Hierzu bekam ich jeweils die entsprechenden Blutentnahmesets von der Knochenmarkspenderzentrale zugeschickt. Die Entnahme ließ ich dann von unserem Betriebsarzt durchführen. Anschließend schickte ich die Proben mit einem Freiumschlag zu einem Labor. Letztendlich war klar, das meine Blutwerte mit denen des Patienten übereinstimmten.

Nun bekam ich nochmals einen umfangreichen Fragebogen, in dem ich unter anderem gefragt wurde, ob ich weiterhin als Spender zur Verfügung stehen würde. Zudem wurde ich über die Möglichkeiten der Spende aufgeklärt.

Heutzutage gibt es zwei Möglichkeiten. Die klassische Methode ist die direkte Knochenmarkentnahme aus dem Beckenknochen. Diese erfolgt in einer etwa einstündigen Operation unter Vollnarkose. Hierzu ist ein etwa 2-3 tägiger Krankenhausaufenthalt notwendig.

Seit 1996 gibt es eine zweite, wesentlich sanftere Methode und zwar die sogenannte periphere Blutstammzellenspende. Diese wird heute (soweit möglich) eingesetzt und kam auch in meinem Fall zur Anwendung.

Nach meiner Zustimmung wurde mit mir ein Termin für eine Voruntersuchung vereinbart. Dies empfand ich als positiven Nebeneffekt. Wann wird man schon einmal kostenlos von oben bis unten durchgecheckt?

Nun ging es darum einen passenden Termin für die eigentliche Spende zu finden. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang sicherlich, dass sämtliche Auslagen (Verdienstausfall, Reisekosten, Speisen und Getränke, etc.) für beide Termine von der Knochenmarkspenderzentrale erstattet werden. Ich war froh, dass wir als Spendentermin den 18. März vereinbaren konnten. Ein ursprünglich im April anvisierter Termin wäre sehr unglücklich gewesen, da Mitte April die Geburt unseres ersten Kindes terminiert war (unsere Tochter Frauke kam am 17. April 2002 zur Welt). Ich wollte kurz vor der Geburt natürlich jederzeit abrufbar sein.

Doch wie lief das ganze nun ab? Normalerweise hat man ja nur eine kleine Anzahl an Stammzellen im Blut. Um die Stammzellen zur Vermehrung anzuregen und in den Blutkreislauf auszuschwemmen, bekam ich ab Donnerstags vor der Spende alle 12 Stunden eine kleine Spritze unter die Bauchhaut gespritzt. Die Spritze selber war eigentlich nicht zu merken, da sie eine sehr feine Nadel besaß. Durch die starke Vermehrung der Stammzellen pochte es natürlich ganz ordentlich in meinem Rücken. Hierzu bekam ich jedoch eine Packung Paracetamol, so daß ich eigentlich nur noch einen leichten Druck in der Lendengegend verspürte. Dies kann man meiner Meinung sehr gut in Kauf nehmen, wenn man damit einem Menschen das Leben retten kann.

Montags wurde ich in der Essener Uniklinik dann für etwa fünf Stunden an einen Apparat angeschlossen, der die Stammzellen aus meinem Blut herausfilterte. Hierzu wurde mein Blut an der linken Armvene entnommen und nach der Filterung der rechten Armvene wieder zugeführt. Da ich über alles was gemacht wurde aufgeklärt wurde, fühlte ich mich bestens aufgehoben. Dem Blut wurde ein gerinnungshemmendes Mittel beigesetzt. Zudem bekam ich zwischendurch ein Magnesium-Getränk gereicht. Beides wirkte sich jedoch auch harntreibend bei mir aus. So musste ich mir dreimal die Flasche reichen lassen. Das war mir ja schon etwas peinlich, da ich ja durch die Nadeln in beiden Armen zur Untätigkeit gezwungen war und mich "bedienen" lassen musste. So etwas hatte ich natürlich auch noch nicht erlebt. Für das Personal war dies jedoch ganz normal und kein Problem.

Nach der Entnahme erhielt ich zwei "köstliche" Drinks mit Vitaminen und Spurenelementen und schon war alles vorbei.

Ein paar Wochen später erhielt ich die Mitteilung, die Patientin hätte einen Rückschlag erlitten und sie würde dringend Lymphozyten benötigen. So vereinbarte ich erneut einen Termin und mir wurden in einem Zeitraum von 3 Stunden diese entnommen.

Nach etwa einem Jahr können die Adressen zwischen Spender und Patienten ausgetauscht werden, sofern beide Seiten zustimmen. Dieses ist in meinem Fall erfolgt und so habe ich nun Kontakt zu der Empfängerin. Ich weiß nun, dass ich einer Familienmutter geholfen habe. Das macht mich besonders glücklich.

Für mich war es eine äußerst positive Erfahrung, das Leben eines schwer kranken Patienten retten zu können. Ich denke, jeder von uns wäre im Krankheitsfalle froh, einen Spender zu finden.

So würde ich mich sehr freuen, wenn sich möglichst viele Leser typisieren lassen würden.

Für Fragen zu dem Thema stehe ich per Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-MailE-Mail jederzeit gerne zur Verfügung.

Vielen Dank für den Bericht an
Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-MailCarsten Sökeland


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