13.12.2018
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Erfahrungsbericht einer Knochenmarkspende


Michael Rathing (12. Januar 2008)

Begonnen hat es mit einem Anruf dass ich als Stammzellenspender in Frage kommen würde.

Nach einem ausführlichen Informationsgespräch in dem ich auch über die Risiken des Spenders informiert wurde, begannen die Untersuchungen. Eine Begleitperson unterstützte mich dabei, so dass ich ein wenig Unterhaltung während der Wartezeit hatte.

Es erfolgt eine Blutentnahme, es wurde die Lunge geröntgt, ein Lungenfunktionstest (in eine Art Sack blasen) durchgeführt, Ultraschalluntersuchung der inneren Organe (Leber, Milz, Nieren etc), EKG.

Natürlich die üblichen Untersuchungen wie abhören der Atemfunktion, abtasten des Oberbauchs, Pupillenreakion, Blutdruck und Herzfrequenz messen, abklopfen der Wirbelsäule.

Das ganze zog sich über mehrere Stunden hinweg, da sollte man schon etwas Zeit mitbringen.

Als Ergebnis kam heraus, dass ich keine peripher gewonnenen Stammzellen aus dem Blut spenden dürfe, blieb also nur die Entnahme von Knochenmark unter Vollnarkose. So wurde ich ein 2. Mal untersucht und für spendetauglich erklärt.

Da der Empfänger ungefähr mein Gewicht (85 kg) hatte, erfolgte ca. 10 Tage vor Entnahme eine Eigenblutspende (dauert 5 min. für 450 ml) zudem war mein Ferritinwert (Eisengehalt) niedrig also bekam ich Eisentabletten verschrieben.

Am Tag vor der Entnahme erfolgte die Aufnahme ins Krankenhaus, auf der Station waren auch Patienten welche schon eine Chemotherapie hinter sich hatten. Da bekommt man als gesunder Mensch gleich einen Eindruck wie wichtig und notwendig Spender sind. So wie ich das verstanden habe ist eine Stammzellenspende die letzte Therapie wenn alles andere nicht angeschlagen hat.

Nach der üblichen Blutentnahme um das Blutbild zu erstellen erfolgte eine kurze Untersuchung und noch einmal eine Information über den Eingriff, dann wurde ein Zugang gelegt und am Abend gab es eine Einschlafhilfe, schließlich ist man ja schon etwas aufgeregt.

Am nächsten Morgen gab es dann die so genannte „leck ArXXX Tablette“, im Bett ging es dann in den OP wo dann das Narkosemittel verabreicht wurde. Das Team war sehr professionell, wir unterhielten uns ein wenig und bums war ich weg. Ich glaube dass ich ein wenig geträumt habe, jedenfalls wurde ich wach. Während der Aufwachphase habe ich mich geräkelt und gestreckt um „durch“ zukommen.

Dann kam auch schon der freundliche Pfleger und fuhr mich wieder zurück auf die Station, wo mir meine Eigenblutspende verabreicht wurde.

Da es mir gut ging durfte ich trinken und habe auch erstmal 1,7 Liter Wasser und Saft zu mir genommen. So nach einer Stunde habe ich mich an den Bettrand gestellt und die „Ente“ gefüllt. Vom Kreislauf her war ich noch etwas wackelig und beschloss keine Experimente zu wagen, obwohl die Toilette nur wenige Meter entfernt war. Einige Stunden später bekam ich dann das Mittagessen.

Entnommen wurde mir 1,5 Liter Knochenmark und Blut (laut Professor Hastig: ein schöner großer Beutel voll) aus fünf Punktionsstellen im Beckenknochen, die Menge resultiert aus den Empfängerangaben (ca. 80 kg). Ein anderer Spender hat für ein Kind (10 kg) gespendet, ihm wurden 380ml entnommen. Die Schmerzen hielten sich in Grenzen, ich habe keine Schmerzmittel bekommen. Sie sind zu vergleichen mit einem Muskelkater (nach einem Marathonlauf mit wenig Vorbereitung). Am frühen Abend habe ich dann schon den einen oder anderen Spaziergang im Krankenhaus gemacht um wieder auf die Beine zu kommen und damit der Kreislauf belastet wird.

Gegen Abend wurde ich noch einmal untersucht, ein Blutbild erstellt und es gab ganz normal Abendbrot. Ein bisschen schlapp habe ich mich noch gefühlt. Die Schmerzen bewegten sich in der Region „unangenehm aber erträglich“, dazu muss ich sagen dass ich ein Jammerlappen bin und selbst die kleinste Spritze mir unangenehm ist, obwohl ich seit ca. 10 Jahren Thrombozyten spende.

Am Tag nach der Entnahme gab es normal Frühstück, die Nachtruhe war nicht so klasse, wohl aber auch zurückzuführen auf die ungewohnte Umgebung. Nach einer weiteren Blutuntersuchung, Abtastung der Organe, Blutdruckmessung etc. durften wir (der andere Spender und ich) so gegen 10:00 das Krankenhaus verlassen.

Fazit: wegen der zu entnehmenden Menge hatte ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht, auch die Vollnarkose behagte mich nicht so sehr. Letztlich bin ich aber über den Verlauf der Entnahme sehr zufrieden. Ich liege gerade auf dem Rücken im Bett und schreibe diesen Bericht. Es ist noch ein Druckschmerz zu spüren aber das wird sich wohl bald geben. Mein Hämoglobinwert lag nach der Entnahme bei 12 und wurde durch die Eigenblutspende gesteigert. Eine wenig schlapp fühle ich mich noch.

Ich hoffe mit diesem Erfahrungsbericht zukünftigen Spendern etwas unter die Arme zu greifen um Zweifel oder Ängste zu zerstreuen   – Kopf hoch, wir tun Gutes.

(Zwei Tage nach dem spenden)

Kleiner Nachtrag für die sportlichen unter uns Spendern: ich habe es gerade mal geschafft ca. 2 km mit dem Rad zu fahren, dann war der Ofen aus. Und zwar richtig. Alle 50m musste ich mich setzen. Also: die sportlichen Aktivitäten werden wohl für die nächsten Wochen nicht „bestzeiten fähig“ ausfallen.

(Drei Tage nach dem spenden)

Heute, am 3.Tag nach dem spenden fühle ich mich schon fitter, auch habe ich mal nach dem geschaut was ich unter dem Pflaster tut und die Wundheilung ist meiner Meinung nach OK.

Nachtrag am 03.12.2010

Nach dem nunmehr fast drei Jahre vergangen sind noch ein paar Anmerkungen. Ich hatte mich relativ schnell wieder von der Spende erholt, auch ein Marathonlauf im März war kein Problem.


Die Empfängerin ist leider drei Monate nach der Übertragung verstorben, diese Nachricht war schon ein kleiner Schock da man ja annimmt dass nach erfolgreicher Übertragung eine Gesundung erfolgt. In meinem Fall ist die Empfängerin an den Folgen einer Lungenentzündung verstorben. Aber zu sagen dass die ganze Prozedur umsonst war, wäre dem Umstand nicht gerecht, dass die Dame sonst wohl früher verstorben wäre.

Ich spende auch weiterhin regelmäßig Thrombozyten und ab zu Vollblut und würde auch sofort wieder als Spender zur Verfügung stehen.

 

Michael Rathing

Vielen Dank für den Bericht an Michael Rathing
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