

"Die Ereignisse überschlagen sich - jetzt habe ich Leukämie" mit diesen Worten meines Bruders am Telefon erfuhr ich von seiner Krankheit. Ich übernahm es, die Botschaft meiner Mutter zu überbringen, die Familie war geschockt.
Dann ging alles sehr schnell. Untersuchungen bei meinem Bruder, Bluttests bei mir und meiner Schwester, ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt in Frankfurt: "Die Transplantation ist die einzige Chance für Ihren Bruder".
Viele schlechte Nachrichten, dann die Gute: die erkennbaren Merkmale meines Blutes passten sehr gut, ich begann meinen Jüngsten Jacob abzustillen, mein Bruder begann mit den vorbereitenden Behandlungen, die sehr belastend waren, körperlich und psychisch. Ich sah meinen Bruder in dieser Zeit häufiger denn je, dank der Unterstützung meines Mannes, der mir den Rücken frei hielt. Jörg lag im Klinikum in Frankfurt und ich erlebte seine Höhen und Tiefen zum Teil mit, ab und zu kam die Angst, vielleicht öfter bei uns Angehörigen, als bei ihm selbst. Er ging sehr tapfer durch diese Zeit, versuchte sich mit allem, was er durfte und konnte, fit zu halten. Dann war die Behandlung abgeschlossen, die Transplantation rückte näher. Eine Woche lang war ich mit Spritzen, Knochenschmerzen und dem Herausfiltern der Stammzellen in einer Art Dialyse beschäftigt, meine Schwester und unsere Mutter bibberten mit.
Dann war das Tütchen mit den Stammzellen bereit. Am 1. April 1999 war es soweit, er lag isoliert und bekam die rettende Substanz. Dann ging das Warten los, alle hofften, dass die Bemühungen nicht zum Aprilscherz werden sollten. Draußen begann der Frühling und es dauerte genau zehn Tage, dann begann die Saat auch in meinem Bruder aufzugehen. Die Werte stiegen, bald war klar: es hat funktioniert.
Dass auch die Zeit danach nicht immer einfach war, ist mittlerweile fast vergessen, unser Bruder ist wieder (fast) ganz der Alte und man kann wieder Spaß und Streit mit ihm haben wie immer schon.
Ich bin froh, dass ich ihm helfen konnte und werde nie seine Glückwunschkarte an meinem Geburtstag vergessen: "Ein Teil von mir hat ja auch heute Geburtstag".
Vielen Dank für den Bericht.
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Ein Erfahrungsbericht des an ALL erkrankten Bruders der Spenderin, der die Stammzellspende erhielt, ist ebenfalls hier einzusehen.