18.05.2012
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Erfahrungsbericht einer an AML (Untertyp AML - FAB M4) erkrankten Patientin


(Januar 2007 im Alter von 67 Jahren)

Doris Weber
Doris Weber

Ich heiße Doris Weber, wohne in Bocholt, NRW und bin 67 Jahre alt.

Im Oktober 2004 war ich mit meinem Mann an der Mosel mit dem Wohnmobil und machten Urlaub. Dort bemerkte ich, dass ich Bläschen im Mund hatte und glaubte, es komme von nicht sauber abgewaschenen Weintrauben. Aber zu Hause angekommen, ging es mir immer schlechter. Arztbesuch, Blutkontrolle, Antibiotika geschluckt, aber es ging nicht besser.

Einweisung ins Krankenhaus. Am 02.11.2004 bekam ich dann die Diagnose, Leukämie. Am 03.11.2004 schon Überführung zur Uniklinik nach Essen. Nach der Knochenmarkdiagnostik stelle man dann fest, AML, also Akute myelomonozytäre Leukämie FAB M4. Dann folgten Chemos, die ich mehr oder weniger gut vertrug.

Eine akute Lungenentzündung kam auch noch dazu mit hohem Fieber, so dass es zuerst nicht sehr gut aussah.

Es zog sich alles 5 Monate hin, so dass ich am 1. April 2005 aus der Klinik entlassen werden konnte. Mir ging es in den Monaten danach wunderbar. Wir fuhren wieder mit dem Wohnmobil, unter anderem auch im Oktober 2005 nach Marokko. Wir wollten bis kurz vor Weihnachten unterwegs bleiben. Diese Reise war auch abgesprochen mit den Ärzten in Essen, wohin ich immer wieder zur Kontrolle musste.

Aber im nachhinein würde ich sagen, dass diese Reise zu früh war. Mein Mann und auch ich wurden in Marokko krank und mussten die Reise abbrechen. Am 25.11. 2005 wurde mein Mann nach einem kleinen Schlaganfall vom ADAC von Agadir aus nach Hause geflogen. Ein Schwiegersohn kam nach Agadir geflogen und wir fuhren dann das Wohnmobil nach Hause. Unterwegs ging es mir immer schlechter, ich konnte mich kaum noch bewegen und hatte sehr große Schmerzen. Ich hatte mir das rheumatische Fieber, Streptokokken, dort geholt und war dann vom 5. bis 22. Dezember 2005 wieder in der Klinik in Essen, weil befürchtet wurde, die Leukämie wäre wieder ausgebrochen. War jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Im Januar-Februar 2006 kam noch eine schwere Grippe dazu, was dann wohl zu viel für meinen Körper gewesen sein muss. Bei einer Blutkontrolle in März in Essen, stellte man dann eine erneute Erkrankung fest. Nun begann die Prozedur "Chemo" von vorn. Dann kam die Stammzellenübertragung zur Sprache. Nach eingehenden Informationen und Gespräch mit Prof. Dr. med. Beelen, willigte ich ein. Eine andere Chance gab es für mich ja nicht.

Meine Geschwister waren für eine Transplantation nicht geeignet und so wurde ein Fremdspender gesucht. Nach ca. 6 Wochen hatte man eine Spenderin gefunden.

Am 4. Juli 2006 erfolgte dann die allogene periphere Blutstammzelltranspantatiom, die ganz problemlos verlief.

Nach ca. 10 Tagen stellte sich eine GvHD typische Reaktion ein, die mit großen Schmerzen verbunden war, aber unter Morphium überstand ich diese Phase auch. Nach 5 Wochen Isolation wurde ich aus der Klinik entlassen.

Mir geht es heute wunderbar, meine Blutwerte sind normal. Die üblichen Verhaltensmaßregeln muss ich immer noch, auch noch 185 Tage nach der KMT, beachten, was mir aber nicht schwer fällt. Ich wollte hiermit nur sagen, dass man auch im gesetztem Alter von 67 Jahren eine KMT gut überstehen kann. Geholfen hat mir natürlich meine gute Kondition, habe bis zum Schluss immer sehr viel Sport getrieben, wie Segeln, Inlineskaten, Radfahren, Nordic Wolking, Bergsteigen, im Winter Skifahren usw. und einen soliden Lebenswandel geführt, nie geraucht oder getrunken. Es hat mich zwar nicht vor diese bösartige Krankheit bewahrt, aber hat für ein gutes Durchkommen durch die KMT gesorgt.

Nun hoffe ich dass ich weiter so gute Fortschritte mache und noch ein paar Jahren mit der Familie zusammen sein kann.

Doris Weber

Nachtrag (08.12.2010)

Als ich den ersten Bericht geschrieben habe, waren gerade mal 185 Tage nach der KMT vergangen. Heute kann ich sagen, dass genau 1618 wunderschöne Tage nach der KMT hinter mir liegen. Es war manchmal nicht ganz einfach, auch schlechte Tage waren dabei, aber die  Heilung ging stetig weiter voran. Meine Kontrolluntersuchungen in der Uni Essen sind auf einmal im Jahr geschmolzen, was will man mehr.

Mein Mann und ich sind wieder viel mit dem Wohnmobil unterwegs und ich genieße das Leben jetzt viel intensiver und freue mich über jede Kleinigkeit. Geburtstage werden zweimal im Jahr gefeiert, am 4 Juli hatte ich meinen 4. Geburtstag und ein paar Monate später konnte ich meinen 71. feiern. Und dass dieses alles möglich ist, habe ich meiner Spenderin, Tanja, zu verdanken. Am 9. April 2009 war es endlich so weit. Mein Mann und ich fuhren nach Worms und trafen dort eine junge Mutter von 26 Jahren. Wir brachten die ehemaligen Babymöbel unseres jetzt mittlerweile 11 jährigen Enkels als Geschenk mit, was sie sehr gut gebrauchen konnte. So konnten wir eine Kleinigkeit zurückgeben für das, was sie für mich getan hat, mir ein zweites Leben geschenkt. Das ZDF, Herr Spors und Frau Henkel von der DKMS, begleiteten uns damals und die Aufnahmen wurden später im Rahmen einer Fernsehsendung, über die Arbeit der DKMS, gesendet.

Doris Weber


Vielen Dank für den Bericht an
Doris Weber


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